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Selig seid ihr…

sagt Jesus. Von dem vierten bis zum neunten Sonntag im Jahreskreis hören wir als Sonntagsevangelium die Bergpredigt. Gerade der Anfang dieser Rede stellt eine Zumutung dar, bei dem ich stellenweise lieber nicht zuhören oder mir eine verharmlosende Erklärung finden würde. Selig die arm sind vor Gott – kann man versuchen zurechtzubiegen. Selig die Trauernden – wird schwieriger. Frieden wünschen wir uns zwar alle, aber die Durchsetzung der Sanften im Land wiederspricht doch arg unserer Welt-Erfahrung. Auf jeden Fall, so sehr ich auch (zumindest an bestimmten Stellen) mich nach der Gerechtigkeit sehne, um ihretwillen Verfolgung zu erleiden, erscheint mir nicht als ein Wunschbild des Glücks.

Doch Jesus nennt diese Leute, von denen doch klar ist, dass ihre Lage nicht unbedingt beneidenswert ist, selig, glückselig oder einfach glücklich. Wieso sind sie denn glücklich? Zunächst wegen dem Guten, das sie erwartet und von dem Paulus sagt, dass wir es vorauskosten können. Wenn es aber so ist, dann könnte man die Seligpreisungen auch einmal andersherum lesen: Glücklich, die getröstet werden – obwohl sie noch trauern; glücklich, die das Himmelreich bekommen – selbst wenn sie arm und verfolgt sind; und die Belohnung der Barmherzigen ist die Barmherzigkeit selbst.

Es ist weder ein Gesetz von außen, noch ein Verhaltenskodex zur Selbstverpflichtung, mit dem Christus zu uns kommt, sondern etwas aus einer ganz anderen Kategorie: das paradoxale Bild einer Normalität der Kinder Gottes in der erlösten Welt. Es ist seine Lebensweise, die nur dann auch unsere werden kann, wenn er selbst es für uns mitmacht. Sogar eine kleine Kostprobe davon macht tatsächlich glücklich.

Kaplan Jan Schönthaler